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Anastasios Katsanakis verstorben

Am 3. August 2020 ist der langjährige Redakteur unseres Jahrbuchs Hellenika verstorben. Dazu hat die Griechenlandzeitung den folgenden Nachruf von Prof. Dr. Horst-Dieter Blume, Münster, veröffentlicht:

Ein großer Mittler zwischen Griechen und Deutschen ist tot

Mit großer Trauer nehmen die Freunde Griechenlands Abschied von Tassos Katsanakis, der über viele Jahrzehnte in Münster tätig war.

Nach einem Studium der Theologie in Thessaloniki studierte er hier Soziologie und Sozialpädagogik und kehrte danach nicht in die Heimat zurück, weil dort seit 1967 eine Obristenjunta die Macht übernommen hatte. In Münster wurde er ansässig und gründete eine Familie.

Er arbeitete zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Byzantinischen Seminar der Universität am ‚Glossar zur frühmittelalterlichen Geschichte im östlichen Europa’ und wurde Lehrbeauftragter für Neugriechisch. Seine Ernennung war ein Glücksfall. Es lag ihm am Herzen, allen an Griechenland Interessierten, Studierenden und Griechenland-Reisenden, neben den Grundzügen der Sprache immer auch die Geschichte, die Literatur und die Gegenwartsprobleme seines Landes zu vermitteln. Mit seiner unverwechselbaren empathischen und zugleich unaufdringlich feinen Art trug er entscheidend zum wachsenden Verständnis zwischen Griechen und Deutschen bei.

1977 gründete er zusammen mit Prof. Dr. Cay Lienau die Deutsch-Griechische Gesellschaft Münster, der er sein Leben lang eng verbunden blieb. Auch hier sorgte er bei regelmäßigen Vorträgen mit seinen fundierten Diskussionsbeiträgen für eine vertiefte Kenntnis Griechenlands, dazu förderte er mit Musik und Tanz ein geselliges Leben.

1991 wurde Tassos Katsanakis hauptamtlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter an der von Prof. Dr. Peter Funke gegründeten ‚Arbeitsstelle Griechenland’. Sie blieb sein Reich für sehr viele Jahre, hier baute er  ein Zeitungsarchiv und eine Bibliothek auf, hier gab er seine Sprachkurse und einen Lektürekurs, den er bis zuletzt leitete. Hier beantwortete er jedem jederzeit kompetent und umfassend Fragen zu allen möglichen Aspekten griechischer Kultur.

Auf seine Initiative geht schließlich das erste Münstersche Griechenland-Seminar (1996) zurück. Seitdem finden diese Seminare, die er über viele Jahre maßgeblich prägte und bis zuletzt kritisch begleitete, alljährlich unter einem spezifischen Oberthema statt und haben die Griechenlandforschung in Münster deutschlandweit bekannt gemacht. Sie sind inzwischen zu einer festen Institution geworden und werden im Gedächtnis vieler Griechen und Deutsche immer mit dem Namen Tassos Katsanakis verbunden bleiben.

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