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Der antidiktatorische Kampf der Griechen in Deutschland. (Bericht)

[1]In keinem anderen Land Europas hat das Vorgehen gegen das griechische Diktatur-Regime in den Jahren 1967-1974 so massive Ausmaße angenommen wie in Deutschland.
Ausstellung der politischen Stiftung Friedrich Ebert.


In diesem Jahr sind 50 Jahre seit dem Staatsstreich in Griechenland vergangen. Die anschließende siebenjährige Diktatur betraf nicht nur das Land allein. In vielen europäischen Ländern wurden Widerstandszentren gegen die Junta gegründet. Eines davon war Deutschland. Etwa 5% der Bevölkerung Griechenlands lebte hier als Einwanderer, Studenten, Künstler. Viele von ihnen beteiligten sich an dem antidiktatorischen Kampf, der sich auf deutsche Gewerkschaften, Parteien, Studentenorganisationen, politische Stiftungen, aber auch die Medien stützte.
Diesen Aspekt des Anti-Junta Kampfes stellt eine Ausstellung der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung dar, in Zusammenarbeit mit dem Archiv für Sozialgeschichte. Die Initiative wurde vom Verband der Deutsch-Griechischen Gesellschaften (VDGG) aufgegriffen. Laut Tassos Eleftheriades (Mitglied des Vorstandes): „Die Idee war, dass die Ausstellung in allen Städten, in denen griechisch-deutsche Firmen tätig sind, gezeigt wird. Wir haben insgesamt 45 Einzelgesellschaften. „Diese Woche wird die Ausstellung in Hannover in den Räumen der griechisch-orthodoxen Kirche präsentiert.
Flyer zur Ausstellung hier [2]

Deutsche Solidarität
Diskussion im Rahmen der Eröffnung der Hannover-Messe

Mit Dokumenten und Fotos und wertvollen Informationstexten dokumentiert der Bericht die Tatsache, dass die Mobilisierung gegen die Junta in Deutschland begann unmittelbar nach dem Ausbruch des Putsches. Augenzeuge war das damals noch junge Mitglied der Jungsozialisten und späterer Bürgermeister von Hannover Herbert Schmalstieg: „Unmittelbar nach der Machtergreifung durch die Obristen haben wir in Hannover eine Arbeitsgruppe für Demokratie und Freiheit für Griechenland geschaffen. Mitglieder der ersten Phase waren die Jugendorganisation der SPD und die damals frisch gegründete „Zentrum Union“ (Enosis Kentrou) der Stadt.
Große Unterstützung wurde uns von der Chemiegewerkschaft gewährt.
Die Solidarität der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften dauerte während der ganzen Diktaturzeit. Gleiches gilt für viele linke Organisationen und Parteien, aber auch für die deutsche Studentenbewegung.
Das Besondere in diesem Fall ist, dass diese politischen und sozialen Kräfte, so sehr sie untereinander unterschiedlich ausgerichtet waren, im Falle Griechenlands jedoch eine gemeinsame solidarische Haltung zeigten.
Die Präsidentin des Verbandes der Deutsch-Griechischen Gesellschaften Sigrid Skarpelis-Sperk erinnert sich, wie sie im Jahre 1967 als Vizepräsidentin der Studentenvereinigung der Universität München den damalige Präsidenten der bayerischen Sozialdemokraten Folkmar Gkrampert besucht hatte, um von der SPD Unterstützung für den antidiktatorischen Kampf in der Region zu fordern. Die Tatsache, dass er sofort positiv reagierte, erklärt sich Frau Skarpelis-Sperk durch die Erfahrung, die er als Gegner des Regimes während der Zeit des Dritten Reiches gemacht hatte: „Für ihn, wie für Willy Brandt und andere in der Führung der Sozialdemokraten und der Gewerkschaften, die im Dritten Reich gelebt hatten, war der antidiktatorische Kampf der Griechen ein folgenschweres Ereignis, bei dem man helfen sollte, wo dies möglich war.“
Die Hilfe war vielfältig: finanziell, Aufenthaltserlaubnisse, Stipendien für Studium, medizinische Versorgung – sogar Fluchthilfe von Dissidenten aus Griechenland mit gefälschten Dokumenten.

Die Rolle der Medien
Eine Publikation einer pro Junta-Organisation in Rüsselsheim.

Die Junta blieb nicht untätig. In der Ausstellung werden viele Exponate gezeigt, die dokumentieren, wie die Junta versucht den anti-diktatorischen Kampf zu bekämpfen.
In kürzester Zeit sendet sie Hunderte Personen als Lehrer an griechische Schulen, als Mitarbeiter in den Konsulaten aber auch als Agenten. Zweck dieser Operation war es, den Kampf der Griechen gegen das Militärregime durch Bedrohungen und brutale Gewalt zu unterdrücken, durch den Entzug der Pässe, durch ein großes Netzwerk von Informanten, mit Propagandabroschüren und durch die Gründung von Junta treuen Emigrantenvereinen.
Dokumente zur Rolle der Deutschen Welle und des Bayerischen Rundfunks in der Junta-Zeit
Die Ausstellung zeigt auch die wichtige Rolle, die die beiden griechischsprachigen Programme Deutschlands bei der Bekämpfung des Militärregimes und dessen Propaganda spielten. Das griechische Programm der Deutschen Welle war an die Öffentlichkeit in Griechenland und das griechischsprachige Programm des Bayerischen Rundfunks an die griechischen Gastarbeiter in Deutschland gerichtet.
Der Beitrag der beiden Programmen war nach Einschätzung der Sigrid Skarpelis-Sperk einzigartig: „Im Gegensatz zu den griechischsprachigen Programmen von “Voice of America„ oder der „BBC“, die sich neutral verhielten, war das griechische Programm der Deutschen Welle eindeutig auf der Seite der Demokraten. Gleiches gilt für das griechische Programm aus München. Dessen Leiter, Pavlos Bakoyannis, obwohl es kein Linker war, bekämpfte er die Junta – auch gegen den Willen des damals mächtigen Mannes in Bayern Franz-Josef Strauss. Aber auch gegen die griechische Redaktion der Deutsche Welle wurde großer Druck ausgeübt, dem Regime etwas „milder“ zu begegnen. Doch die Journalisten haben nicht nachgegeben. Deshalb verdienen sie großes Lob.“

Der Kampf gegen die Diktatur ist keine Vergangenheit.
Der Vizepräsident der Parlamentariergruppe der SPD von Niedersachsen Christos Pantazis.

An der Eröffnung der Hannover-Ausstellung nahm der stellvertretende SPD-Vorsitzende des Niedersächsischen Landtags, Christos Pantazis, teil. Er wurde ein Jahr nach dem Sturz der Junta 1975 in Hannover geboren und hat die Zeit, von der die Ausstellung berichtet nicht erlebt. In einer Stellungnahme an die DW weist er jedoch darauf hin, warum er sie für wichtig hält: „Wenn wir uns die Entwicklungen in der Türkei, aber auch in anderen Ländern anschauen, in denen die Demokratie unter Druck steht, ist die Ausstellung sehr wichtig. Weil wir die Haltung der deutschen Gesellschaft gegenüber der Junta in Griechenland sehen. Diese Einstellung ist für mich sehr aktuell. „

Übersetzt aus dem Griechischen, Dimitrios Mastoras, Vorsitzender DGG zu Kiel