Bericht über die Ehrenringverleihung der VDGG an die Griechische Redaktion der Deutschen Welle (DW) in Münster

Die Präsidentin der VDGG, Frau Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk, überreichte den Preis am Freitag, den 31. März 2017 in der Aula des Schlosses der Universität Münster an den Leiter der Griechischen Redaktion der Deutschen Welle, Herrn Spiros Moskovou. In Anwesenheit von Frau Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung von NRW sowie dem Generalkonsul der Hellenischen Republik in Düsseldorf Herrn Grigoris Delavekouras.

Frau Sigrid Skarpelis-Sperk würdigte die Rolle der Redaktion der Deutschen Welle, die in der Zeit der Athener Militärdiktatur (1967 – 1974) eine griechisch sprachige Sendung gestaltet hatte, die bald zu einer der wichtigsten Informationsquellen der unterdrückten Griechen wurde und die renommierte BBC in der Hörergunst abhängte. Täglich wurden von 21.40 – 22.40 Uhr Nachrichten, politische Kommentare, Presseschauen, Reportagen zu griechischen Ereignissen und Interviews mit Vertretern der antidiktatorischen Opposition gesendet und mit griechischer Musik, u.a. von Mikis Theodorakis umrahmt, dessen Musik vom Obristen Regime verboten worden war.

„Der 50. Jahrestag, des Militärcoups in Griechenland und seine Folgen müssen für uns alle eine Mahnung sein, niemals zu vergessen, welche Gefahren die Aushöhlung der Demokratie und der Grundfreiheiten für ein Volk bedeuten – und auch heute gibt es davon mehr als genug Anzeichen.“ betonte Frau Sigrid Skarpelis-Sperk in Ihrer Eingangsrede.

Frau Svenja Schulze hob über den „gewaltigen Beitrag zur Überwindung der Militärdiktatur hinaus“, hervor, dass die Griechenland-Redaktion damals keine Vorlesungen zur Demokratie-Theorie von Platon oder Aristoteles gehalten, sondern die wichtigsten Werte aus dem Mutterland der Demokratie mit dem Alltag der Menschen verknüpft habe. Das sei eine ganz klare Position gewesen: „Die Griechinnen und Griechen im Mittelpunkt der Berichterstattung.“

Sie halte diese Position auch heute noch für die beste: „sich den neuen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen: Der Mensch steht im Mittelpunkt.“

Dies sei ein: „großartiger Ausgangspunkt für jeden fruchtbaren Austausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik, wie genau wir unser Umfeld organisieren wollen, damit wir auch in Zukunft von Wohlstand und Freiheit, Sicherheit und Demokratie profitieren. So, wie es uns die Griechenland-Redaktion der Deutschen Welle vor 50 Jahren vorgemacht hat.“, betonte Frau Svenja Schulze zum Schluss ihrer kurzen Ansprache.

Herr Grigoris Delavekouras, hatte es sich trotz seines engen Zeitplanes, als Initiator des 1. Griechenlandfestivals in Düsseldorf, welches gleichzeitig an diesem Wochenende in Düsseldorf stattfand, nicht nehmen lassen, an der Veranstaltung teilzunehmen, um das Grußwort des Botschafters der Hellenischen Republik, Herrn Theodoros Daskarolis, zu verlesen, der zu dessen Bedauern aus terminlichen Gründen nicht an der Verleihung des Ehrenringes teilnehmen konnte.

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Der Botschafter Herr  Theodoros Daskarolis während des Symposiums „Der Widerstand gegen die Diktatur der Obristen (1967 – 1974) in Deutschland“ 2016 in Hannover

Der Botschafter bedankte sich noch einmal für die Möglichkeit seiner Teilnahme an dem von der VDGG organisierten Symposium: „Der Widerstand gegen die Diktatur der Obristen (1967 – 1974) in Deutschland“, im November des vergangenen Jahres in Hannover. Und bezeichnetet sie als eine: „unschätzbare Erfahrung im Rahmen meiner Verpflichtungen als Botschafter von Griechenland in Deutschland, um nicht zu sagen, im Rahmen meiner beruflichen Laufbahn überhaupt…“.

Ebenso erwähnte er den langjährigen wertvollen Beitrag der VDGG „bei der Pflege der griechisch-deutschen Beziehungen, vor allem in turbulenten Zeiten.“
Er freue sich auch über die diesjährige Verleihung des Ehrenrings an die Deutsche Welle. Und fügte hinzu, „Gleichzeitig wäre es nützlich bei dieser Gelegenheit die wissenschaftliche Aufarbeitung der Archive jener Zeit in die Wege zu leiten.“

Er wies aber auch noch einmal auf die Rolle der Massenmedien in jüngster Vergangenheit hin, denn auch heute seien die Massenmedien aufgefordert, die Schlüsselrolle bei einer gründlichen, umfassenden Informationsvermittlung über die Situation in Griechenland zu spielen, deren Bild leider oft verzerrt würde. Der Beitrag der Presse und der anderen Massenmedien sei im Übrigen bei der Entwicklung und Gestaltung der griechisch-deutschen Beziehungen schon immer ein bestimmender gewesen. Wasser auf die Mühlen der VDGG also.

Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, sagte in einem Grußwort: „Die Diktatoren haben uns verflucht, die Demokraten haben uns geliebt.“

Es war an Eberhard Rondholz, die Laudatio auf die Deutsche Welle zu halten und in dieser einen geschichtlichen Aufriss zu wagen, in dem er die Entwicklung der erst 1964 gegründeten Griechischen Redaktion zur „Imagepflege“ und orientiert an ähnlichen Programmen, wie dem BBC und der Voice of Amerika, aufzeigte.

Folgt man Eberhard Rondholz, wuchs die Griechische Redaktion der DW, nicht zuletzt durch ihren Einfallsreichtum, in die Rolle der wichtigsten Informationsquelle für die Griechen in Griechenland und in Deutschland hinein, wurde über die Jahre zu jenem berühmten Ωρα Ελλάδος 21.40, das nur noch durch das heldenhafte „Edo politechnio, edo politechnio“, gesteigert wurde, als es der „Kölner Redaktion… gelang, das, über eine selbstgebauten Radiosender der griechischen Studenten, Gesendete im Originalton nach Köln zu holen, von wo es dann den Weg fand nach ganz Griechenland, alle konnten es hören das „Edo politechnio, edo politechnio“ – „hier spricht das Politechnikum“, bis die Panzer kamen, die Revolte niederwalzten und mindestens zwei Dutzend Studenten erschossen.“

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Die Redaktion der DW im Oktober 1973 Dr. Georg Heyer, Angelos Maropoulos, Georgios Kladakis, Danae Coulmas, Kostas Nikolaou. ganz links nicht mehr im Bild, Dr. Georg Heyer. (Foto: Pantelis Pantelouris)

In seiner persönlichen Bilanz, an die noch lebenden oder inzwischen verstorbenen Mitglieder der damaligen Griechischen Redaktion sowie an die anwesende Danai Coulmas gerichtet, sagte er:
„Gegen die Junta, und gegen die Versuche seitens der deutschen Botschaft, des Auswärtigen Amts und der Leitung des Hauses, euer Programm zu zähmen und zu entpolitisieren. Was hat es gebracht? Es ist vielfach gelungen, dem Publikum in der Heimat zu vermitteln: Man hat euch nicht vergessen, auch nicht in den Ländern der NATO, die man (zu Recht) für die Beseitigung der Demokratie in ihrem Ursprungsland verantwortlich machte, man geht nicht zur Tagesordnung über, der offiziellen Regierungspolitiken ungeachtet, es gibt auch dort Widerstand gegen die griechischen Verhältnisse. Kurz: das Programm aus Köln gab ein wenig Hoffnung, nicht mehr und nicht weniger.“

(J.R.)